Spaltet sich unsere Gesellschaft oder entscheiden wir uns jeden Tag für das Gegenteil?
In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit unser Gesellschaft, Spaltung und Gemeinschaft befasst. Hauptsächlich kam das aus dem Anlass, dass ich viele Menschen neu kennen gelernt habe und wir nicht immer auf einem gemeinsamen Nenner waren. Trotz teilweise wirklich komplett unterschiedlichen Ansichten, sind wir super miteinander ausgekommen und konnten uns trotz wirklich krasser Gegensätze auf Augenhöhe begegnen und uns auf unsere Gemeinsamkeiten fokussieren.
Was passiert gerade mit uns Menschen?

Wenn du Nachrichten liest oder durch soziale Medien scrollst, bekommst du schnell den Eindruck, dass wir uns immer weiter voneinander entfernen. Meinungen werden härter. Diskussionen werden aggressiver. Und oft scheint es, als gäbe es nur noch zwei Seiten und nichts mehr dazwischen. Ich habe den Eindruck, vor allem politisch wird die Front immer härter zwischen uns.
Werden wir egoistischer? Verlieren wir den Zusammenhalt? Oder täuscht dieser Eindruck?
Die Antwort ist nicht so einfach. Aber ich habe etwas erkannt, das mir Hoffnung macht.
Wir sind unterschiedlicher, als wir denken und gleichzeitig ähnlicher, als wir glauben
In meinem eigenen Leben habe ich Freunde mit völlig unterschiedlichen Überzeugungen.
Ich habe Freunde, die Muslime sind. Und ich habe Freunde, die politisch Positionen vertreten, die kritisch gegenüber muslimischer Einwanderung sind (allerdings, wie weiter unten beschrieben, sind nicht meine muslimischen Freunde gemeint, sondern nur „die anderen“). Ich habe Freunde, die feministisch veranlagt sind. Und ich habe „alte weiße Männer“ im Bekanntenkreis, die zwar mit einer Hausfrau verheiratet sind, aber trotzdem kein Problem mit Frauen haben, die Karriere machen oder sich gegen Kinder und Hausarbeit entscheiden.
Und weißt du, was das Überraschende ist?
Wir verstehen uns trotzdem. Wir lachen zusammen. Wir verbringen gerne Zeit miteinander. Wir vertrauen uns. Nicht, weil wir einer Meinung sind. Sondern weil unsere Beziehung auf etwas anderem basiert. Auf gemeinsamen Erlebnissen, gemeinsamen Interessen, Respekt und Verbindung. Politik, Feminismus, gesellschaftliche Stimmungsmache ist nicht das Fundament unserer Freundschaft. Sie ist nur ein kleiner Teil davon.
Menschen sind mehr als ihre Meinung
Es ist leicht, Menschen auf eine Eigenschaft zu reduzieren. Reduziere ich jemanden auf seine politische Meinung: Alle Blau-Wähler weg. Reduziere ich jemanden auf seine feministischen Ansichten: Alle „alten weißen Männer“ weg. Reduziere ich jemanden auf seine Entscheidungen: Alle weg, die nicht meiner Meinung sind.
Aber kein Mensch ist nur eine Meinung. Jeder Mensch ist eine Geschichte. Eine Summe aus Erfahrungen, Zweifeln, Hoffnungen und Entwicklung. Wenn du einen Menschen wirklich kennst, wird er nie wieder nur eine Kategorie für dich sein. Er wird wieder zu dem, was er ist: Ein Mensch.
Und genau hier liegt der Unterschied zwischen echter Erfahrung und theoretischer Bewertung.
Die größte Gefahr ist nicht Unterschiedlichkeit sondern Distanz
Unterschiedliche Meinungen gab es schon immer. Das ist nichts Neues. Neu ist, wie wenig echter Kontakt oft noch stattfindet. Viele Menschen sprechen heute übereinander, statt miteinander. Sie diskutieren über Gruppen, statt mit einzelnen Menschen zu sprechen. „Die Flüchtlinge kommen hier her und nehmen unsere Arbeitsplätze weg“. Schon mal mit einem dieser Arbeits-Klauer gesprochen? Eine Woche später heißt es dann, diese Menschen wären faul und kämen nur wegen unseren tollen Sozialleistungen. Schon mal mit einem dieser Schnorrer gesprochen? Meist wird hier doch ÜBER die Menschen gesprochen, statt MIT ihnen.
Aber in dem Moment, in dem du einem Menschen persönlich begegnest, verändert sich etwas. Du siehst kein Label mehr. Du siehst eine Person. Wenn wir bei dem Beispiel bleiben möchten: Du bist gegen Ausländer und willst diese wieder in ihrem Heimatland sehen. Aber der Pizzabäcker um die Ecke zählt nicht, den kennst du ja und magst seine leckere Pizza.
Und es wird viel schwerer, jemanden abzulehnen, den du kennst, verstehst und magst.
Technologie verändert viel, aber sie ersetzt nicht, was uns menschlich macht
Künstliche Intelligenz kann dir Wissen geben. Sie kann dir helfen, schneller Antworten zu finden. Sie kann Prozesse vereinfachen. Aber sie kann nicht fühlen. Sie kann nicht erleben, wie es ist, Vertrauen zu spüren. Sie kann nicht erleben, wie es ist, sich verbunden zu fühlen. Das können nur wir.
Und genau deshalb liegt die Verantwortung auch bei uns.
Nicht bei der Technologie. Nicht bei der Politik. Sondern bei jedem Einzelnen von uns.
Zusammenhalt entsteht nicht im Großen. Er entsteht im Kleinen.
Gesellschaft ist nichts Abstraktes. Gesellschaft ist die Summe unserer Beziehungen. Jedes Gespräch. Jede Begegnung. Jede Entscheidung, ob du dich öffnest oder verschließt.
Du entscheidest jeden Tag, ob du Menschen als Gegner oder als Freunde siehst, ob du nur Unterschiede siehst oder auch Gemeinsamkeiten und ob du Verbindung zulässt.
Ob du nett bist zu dem Herren beim Bäcker oder ob du ihn blöd angehst, weil er andere Brötchen mag als du, macht den Unterschied in deinem Leben, in seinem Leben und im Leben aller, die den Kontakt miterleben.
Es gibt dieses schöne Bild von einem Lächeln, dass um die Welt wandert. Wenn du heute jemandem freundlich begegnest, wird dieser anderen auch freundlich(er) begegnen und dessen Begegnungen werden es auch wieder weiter geben. Das passiert so lange, bis des wieder bei dir ankommt. Mit Negativität und Spaltung schadest du dir sozusagen selbst.

Auch Mutter Theresa hat wohl mal gesagt:
Frieden beginnt mit einem Lächeln.
Ein Lächeln ist klein. Es kostet nichts. Und trotzdem kann es Wirkung haben, die weit über den Moment hinausgeht. Gerade in einer Zeit, in der viel über Spaltung gesprochen wird, sind es oft genau diese kleinen Dinge, die wieder etwas Verbindung schaffen.
Die wichtigste Erkenntnis: Wir haben mehr Einfluss, als wir denken
Es ist leicht, das Gefühl zu bekommen, dass sich alles in eine falsche Richtung entwickelt. Aber die Wahrheit ist:
Gesellschaft verändert sich nicht nur durch große politische Entscheidungen. Sie verändert sich durch Millionen kleiner Entscheidungen im Alltag. Durch Menschen, die einander zuhören, die sich respektieren und Verbindung über Ideologie stellen.
Du musst nicht die ganze Welt verändern. Es reicht, wenn du in deinem Umfeld ein Mensch bist, der verbindet statt trennt.
Am Ende bleibt eine einfache Entscheidung
Du kannst dich zurückziehen. Du kannst dich abgrenzen. Du kannst dich verschließen – Oder du kannst dich bewusst dafür entscheiden, Mensch zu bleiben, offen und neugierig und in Verbindung zu bleiben.
Gerade, weil wir unterschiedlich sind. Denn genau darin liegt unsere größte Stärke. Nicht in unserer Gleichheit. Wenn alle nur das Gleiche gut könnten, wer würde dann die Dinge tun, die wir nicht können? Unsere Vielfalt sorgt doch erst dafür, dass wir alle Möglichkeiten haben, die unser Leben uns bietet.
Vielleicht beginnt mit mehr Gemeinsamkeit genau die Zukunft, die wir uns wünschen.
Mit einer einfachen Entscheidung.
Deiner Entscheidung.
