Metallica, Linkin Park und ein totes Auto
Es gibt diese Ziele, die man schon lange im Kopf hat.
Nicht die klassischen Ziele wie „ein Haus kaufen„, „Karriere machen“ oder „10 Kilo abnehmen„. Sondern diese ganz persönlichen Dinge, bei denen man irgendwann denkt: Das wäre eigentlich richtig cool.
Eines meiner Lebensziele ist ziemlich einfach und gleichzeitig ziemlich groß: Ich möchte möglichst viele Bands einmal live sehen. Die anderen 4 Lebensziele kannst du hier nachlesen.
Warum also Konzerte? Weil Musik anders ist, wenn man sie nicht nur hört, sondern erlebt. Wenn tausende Menschen denselben Song singen, wenn die ersten Töne kommen und man merkt: Genau deshalb bin ich hier.
Also war klar: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, wird sie genutzt. Manche Gelegenheiten ergeben sich aber nicht so oft oder so einfach. Ich hab mitbekommen, dass Metallica nach Europa kommt. Da mal Tickets zu bekommen war nicht so einfach, also hab ich dann halt welche für Bologna ergattert – besser als gar nichts.
Und so begann eine Reise, die eigentlich ein entspannter und günstiger Italien-Roadtrip werden sollte.
Der Plan: Italien, Meer, Kultur und ein bisschen Rock
Unsere Idee war simpel: Wir fahren nicht nur zum Konzert, sondern wenn wir eh schon in Bologna sind, fahren wir gleich ganz mit dem Auto durch Italien.
Ein bisschen Städte anschauen, gutes Essen genießen, am Meer sein und möglichst viele neue Eindrücke sammeln. Klassischer Sommerurlaub also. Und natürlich: Wir hatten einen Plan.
Wir hatten Routen ausgesucht, Parkmöglichkeiten spontan recherchiert und uns Gedanken gemacht, wie wir möglichst viel sehen und erleben, aber trotzdem entspannt und günstig durch Italien kommen.
Was wir nicht eingeplant hatten? Dass Italien beim Thema Autofahren, Parken und Verkehrssysteme gerne kleine Überraschungen verteilt. Und dass „entspannt“ und „Italien im Sommer“ sich oft gegenseitig ausschließen.
Aber genau diese Überraschungen sind es, über die man später lacht. Spoiler: Ich habe ziemlich viel gelacht. Irgendwann auch üb
Den ersten Stop hatten wir nicht einmal geplant. Auf der Strecke haben wir festgestellt, dass wir ziemlich nah an den Swarovski Kristallwelten vorbei fahren werden. Das wollte ich mir eh schon immer mal anschauen, also haben wir gleich einen kleinen Schwenker gemacht. Das Museum ist schon ziemlich cool. Draußen gibt es dann noch einen Park und ein absolutes Highlight: Ein Karussell! Wann zur Hölle, bin ich zum letzten Mal Karussell gefahren!? Los gehts!
Der Tag an dem man aufhört Kind zu sein, ist der Tag an dem die Freude aus dem eigenen Leben verschwindet. Solche Gelegenheiten kann ich daher nicht ungenutzt lassen 😎

Bologna: Zwischen Parkplatzsuche und Metallica-Gänsehaut
Unsere Reise führte uns danach gleich nach Bologna.
Eine wunderschöne Stadt mit großen Häusern, kilometerlangen Arkaden und einer Atmosphäre, bei der man sofort merkt: Hier lebt Italien. Überall der Duft von frischem Brot und Kaffee, überall Leute, die auf der Straße diskutieren, als ginge es um Leben und Tod und meistens geht es nur um Pasta.
Aber unser eigentlicher Höhepunkt war nicht die Stadt. Wir waren wegen Metallica da.
Schon Stunden vor dem Konzert war klar: Das wird kein gewöhnlicher Abend. Tausende Menschen in schwarzen Band-Shirts, die durch die Stadt zogen, als hätte jemand einen geheimen Aufruf gestartet.
Metallica live zu sehen war für mich einer dieser Momente, bei denen man merkt: Genau solche Erlebnisse wollte ich sammeln. Das ist für mich Erinnerungsdividende.

Da steht man zwischen tausenden Menschen, die alle dieselbe Musik feiern und plötzlich ist es völlig egal, ob vorher die Parkplatzsuche nervig war oder ob man den ganzen Tag in der Hitze unterwegs war. Egal, dass meine Füße schon nach der ersten Stunde protestiert haben. Egal, dass ich am nächsten Tag wahrscheinlich keine Stimme mehr habe.
Für ein paar Stunden zählt nur dieser Moment. Dieser eine Song, bei dem die komplette Arena lauter singt als die Band selbst. Man schafft damit Erinnerungen schafft, die bleiben. Die man Jahre später noch erzählt, mit genau diesem Grinsen im Gesicht.
Italien und das ewige Parkplatz-Abenteuer
Apropos Parkplätze: Italien hat uns auf dieser Reise einiges beigebracht. Man könnte sagen, Parken in Italien ist ein kleines Strategiespiel mit Regeln, die offenbar nur Einheimische in einem geheimen Vertrag bei der Geburt mitbekommen.
Es gibt weiße Linien, blaue Linien, gelbe Linien, Zonen, die man besser nicht befährt und Schilder, die man zwar liest, aber manchmal trotzdem nicht komplett versteht. Wir haben uns durch Bologna, Rimini, San Marino, Florenz, Pisa, La Spezia und Genua gearbeitet.
Immer mit der Hoffnung: „Das wird schon passen.“ Oder wenn gar nichts mehr ging auch mal mit dem Aufgeben und dann zahlen wir halt die 20 Euro fürs Parken…
Manchmal braucht man auf Reisen einfach eine Mischung aus Vorbereitung und Vertrauen. Genau wie bei größeren Zielen im Leben: Man kann nicht alles kontrollieren. Man kann nur gut vorbereitet losfahren und dann flexibel bleiben, wenn die Realität andere Pläne hat.

San Marino: Kleines Land, große Aussichten
Nach Bologna ging es weiter Richtung Küste und nach San Marino.
Ein kleines Land auf einem Berg natürlich mit der kleinen : Wo stellt man das Auto ab? Die Serpentinen nach oben sahen aus, als wären sie eher für Bergziegen als für Touristenautos gedacht.
Die Lösung war wie so oft einfacher als gedacht. Nicht direkt bis ganz nach oben kämpfen, sondern das Auto unten stehen lassen und entspannt hochfahren. Mit der Seilbahn, die einen in wenigen Minuten nach oben kutschiert, während man selbst nur noch aus dem Fenster schaut und sich fragt, wie hier überhaupt jemals jemand mit dem Auto durchgekommen ist.
Eine gute Erinnerung daran, dass die beste Lösung nicht immer die ist, bei der man am nächsten am Ziel parkt. Vor allem war die Seilbahn auch deutlich billiger als ein Parkplatz oben in der Altstadt.
Gut zu wissen: Auch das Benzin ist hier gute 30 Cent billiger als in Italien.
Alte Städte, schiefe Türme
Als nächstes ging es nach Florenz, wo wir neben den klassischen Highlights auch einen tollen Park mit mega Aussicht gefunden haben. Zum Abend hin dann noch ein paar Coctails mit Dom-Blick gegönnt ging es weiter über den schiefen Turm von Pisa (völlig overrated) nach Cinque Terre.
Cinque Terre: Schön, aber bitte ohne Auto
La Spezia war unser Ausgangspunkt für die Cinque Terre. Wir wussten schon vorher, das Auto fahren nicht ist und sind daher mit dem Zug unterwegs gewesen.
Und die Orte dort sind wirklich so schön, wie man es von Bildern kennt. Bunte Häuser, die wie hingewürfelt an den Hang geklebt wirken, Meer in diesem unwirklichen Türkis, kleine Gassen und diese typische italienische Küstenatmosphäre, die nach Salz, Zitronen und Sonnencreme riecht. Überall gibt es Aperol, Eis und frischen Saft
Aber auch: Berge. Viele Berge. Und noch mehr Treppen. Dumm wie ich manchmal bin, wollte ich da auch unbedingt eine Wanderung machen, bei keine Ahnung wie viel Grad Außentemperatur eine echt lebensmüde Idee. Und dann hab ich natürlich auch nicht gecheckt, dass es 280 Höhenmeter über steile Weinberge, Treppen und unwegsames Gelände verläuft… Trotzdem durchgezogen, ich bin richtig stolz auf uns! Der Ausblick hat es auch gelohnt. An sich war die Strecke nämlich richtig schön! Es hätte nur nicht so arg warm sein brauchen…

Genua: Eine Stadt, die man entdecken muss
Genua war für mich eine dieser Städte, die nicht sofort mit dem ersten Blick überzeugt.
Sie wirkt wilder, chaotischer und weniger herausgeputzt als manche anderen italienischen Städte. Mehr Hafenstadt als Postkartenmotiv, mehr Wäscheleinen zwischen den Häusern als Instagram-Filter. Enge Gassen mit unebenen Steinpflaster, Hundepupsi überall und schon eher hässlich.
Am Ende einer solchen Gasse plötzlich beeindruckende Paläste und krasse Kirchen, während die großen Kreuzfahrtschiffe wie unpassende moderne Hochhäuser im Hintergrund liegen.
Besonders die Aussicht über Genua war ein Anblick, der hängen geblieben ist. Diese Mischung aus Hafenkränen, Häusermeer und Bergen im Hintergrund. Genua lässt sich nicht in ein Bild packen.
Hauptsächlich wollten wir dort ins Aquarium, das auch echt riesig ist. Wir haben aber auch leckere Pasta und Seafood gegessen, sind zum Aussichtspunkt und an den Hafenmarkt.
Und dann verabschiedete sich unser Auto
Natürlich passiert eine Autopanne nicht dann, wenn man gerade entspannt zuhause ist. Unser Auto entschied sich für den perfekten Zeitpunkt: Mitten in Italien. Ein kleines Dörfchen zwischen Genua und Mailand. In einem Ort, von dem ich vorher noch nie gehört hatte und über den ich danach garantiert nie wieder ein Wort gelesen hätte, wäre es nicht ausgerechnet dort passiert.
Der Plan war eigentlich, weiterzufahren bis Mailand, dort zu übernachten, weiter nach Liechtenstein, dort übernachten und dann nach München zu Linkin Park.
Stattdessen standen wir plötzlich auf einem Hof vor einer Werkstatt, einem freundlichen, aber leider kaum englisch sprechenden Mechaniker und hatten kein Auto mehr.
Wie man aus Shit happens noch das beste rausholt
Der erste Gedanke? „Shit happens„. Aber dann passierte etwas Interessantes. Wir hatten zwar kein Auto. Aber wir hatten Zeit. Und einen Bahnhof im Kaff wo unser Ausweich-Hotel war. Also gehen wir da hin, stellen fest, dass der nächste Zug erst in 2 Stunden fährt und gehen in eine Dorfkneipe. Nach den 2 Stunden wieder zurück zum Bahnhof um festzustellen: Die Bahn wird bestreikt. Heute fährt gar kein Zug mehr. Zum Glück haben uns die wartenden Italiener informiert, als sie das geblickt haben, sonst stünden wir da noch heute…
Egal, es gab ja auch einen Bus. Und so wurde aus ungeplanten Reparaturtagen ein Ausflug nach Pavia.
Eine Stadt, die wahrscheinlich nie auf unserer ursprünglichen Reise-Liste gelandet wäre. Hätte mich vorher jemand gefragt, hätte ich vermutlich nicht mal gewusst, wo Pavia überhaupt liegt. Dort hatten wir einen richtig schönen, echt gechillten Tag.

Die alten Gebäude, die berühmte überdachte Brücke über den Fluss, die kleinen Straßen mit den Studenten, die überall auf den Stufen saßen und Eis aßen, als hätten sie alle Zeit der Welt. Wir haben uns einfach angepasst und für ein paar Stunden auch so getan, als hätten wir auch alle Zeit der Welt. Hatten wir auch, weil das Auto ja noch immer kaputt war.
Manchmal muss einem das Leben das Steuer buchstäblich aus der Hand nehmen, damit man merkt: Plan B kann genauso gut sein wie Plan A. Manchmal sogar besser.
München: Linkin Park doch noch gesehen
Nach Italien war unsere Reise noch nicht vorbei.
In München wartete direkt das nächste Highlight: Linkin Park live.
Nach hoffen und bangen, ob das Auto rechtzeitig fertig wird, hat es dann doch noch geklappt. An einem Stück durchgefahren, gerade noch rechtzeitig zum Konzert.
Ein völlig anderes Konzert-Gefühl als Metallica – andere Energie, andere Crowd, andere Stimmung. Wo bei Metallica der Boden vibriert hat, hat bei Linkin Park die ganze Arena bei den ruhigen Passagen kollektiv die Luft angehalten, um sie bei den lauten Refrains umso lauter wieder rauszulassen. Alle Sitzplätze wurden ab dem ersten Ton zu Stehplätzen und alle haben einfach nur gefeiert.
Und damit wieder ein Punkt auf meiner persönlichen Liste.
Viele Menschen haben Ziele, die sie immer wieder verschieben. Irgendwann mache ich das, irgendwann fahre ich dahin, irgendwann sehe ich diese Band. Aber dieses „irgendwann“ kommt oft nicht automatisch. Man muss Gelegenheiten schaffen. Man muss losgehen. Gerade Linkin Park war die Band, wegen der ich gesagt habe, dass Konzerte besuchen jetzt endlich zur Priorität werden muss. Ich werde niemals Chester Bennington live sehen können. Ich dachte damals auch, dass ich Linkin Park niemals mehr live sehen kann. Das sie mit einer neuen Sängerin nochmal losgehen, war noch nicht absehbar.
Man muss manchmal Tickets kaufen, obwohl man sich fragt: Passt das gerade wirklich? Zwei Konzerte, ein Roadtrip nach Italien, mitten im Sommer, obwohl ich echt Probleme mit Hitze hab?
Am Ende erinnert man sich nicht an die Tage, an denen alles perfekt organisiert war. Man erinnert sich an die Momente, die etwas ausgelöst haben. Metallica in Bologna, Linkin Park in München, ein kaputtes Auto und ein spontaner Tag in Pavia.
Das eigentliche Ziel ist nicht die Reise
Diese Reise hat mir wieder gezeigt: Das Leben ist kein Projekt, bei dem am Ende alles genau nach Plan funktionieren muss. Es geht darum, möglichst viele Geschichten zu sammeln. Erinnerungsdividende, von der man auch Jahre später noch Freude abrufbar machen kann.
Mein Ziel bleibt: Noch viele weitere Bands live sehen. Noch viele weitere Orte entdecken. Noch viele weitere Geschichten erleben.
Am Ende ist genau das der Reichtum, den niemand wieder nehmen kann.
Erfolg kommt vom Tun. Auch beim Reisen. Auch bei Zielen. Einfach anfangen.
