Warum du fast nie meine Kundenfotos siehst

Ich mache seit Jahren Fotografie. Ich habe Kundinnen und Kunden, auf deren Fotos ich wirklich stolz bin.
Und trotzdem findest du auf meiner Webseite kaum etwas davon.
Klingt komisch für eine Fotografin, oder? Stell dir vor, eine Konditorin würde nie ein Foto ihrer Torten zeigen. Oder eine Frisörin keine ihrer Frisuren. Genau so fühlt sich das für mich manchmal an.
Der Grund ist unspektakulär und trotzdem ziemlich groß
Kein Drama, keine geplatzte Zusammenarbeit, kein Rechtsstreit. Der Grund ist viel einfacher: Meine Kund:innen schätzen ihre Privatsphäre. Die Bilder, die bei einem Shooting entstehen, sind für sie gemacht, nicht für die Welt.
Wenn ich für dich fotografiere, gehören diese Fotos zwar mir als Urheberin. Aber sobald Menschen erkennbar drauf sind, brauche ich deine Erlaubnis als abgebildete Person, um sie zu veröffentlichen. Auf meiner Webseite, auf Instagram, egal wo. Ohne diese Erlaubnis bleiben die Bilder da, wo sie hingehören: Bei dir.
Einen festen Prozess um um Freigabe zu bitten, habe ich bislang nicht. Es hat sich einfach nie etwas fest etabliert. Mal war die (Nicht-)Freigabe selbstverständlich Thema beim Shooting, mal nicht. Kommt natürlich auf die Art des Shootings und die jeweiligen Kunden an.
Manchmal sieht man meine Arbeit trotzdem, nur eben nicht bei mir. Als ich zum Beispiel eine Veranstaltung zum Weltfrauentag fotografiert habe, sind die Bilder online gelandet. Auf der Webseite der Veranstalterin. Nicht auf meiner. Aber genau dafür hat sie auch gezahlt. Und ich freue mich, dass die Bilder dort richtig toll in Pose gestellt werden 😎
Bei der Menge an tollen Bildern, finde ich es aber oft Schade, nicht in die Welt heraus zu zeigen, warum ich so stolz auf mich bin.
Das nagt mehr, als ich zugeben will
Es gibt kein einziges Shooting, bei dem ich nicht denke: BÄÄM! Das Bild ist jetzt echt genial! Ich freue mich dann umso mehr darauf, es den Kunden zeigen und deren Reaktion miterleben zu dürfen. Aber es gibt auch auch immer wieder den Moment, wenn jemand fragt: „Zeig doch mal, was du so machst“, und ich innerlich durchgehe, was ich überhaupt zeigen darf. Die Antwort ist meistens kürzer, als mir lieb ist.
Dabei entstehen bei den meisten Shootings gar nicht nur Fotos mit Menschen. Bei einem Polterabend zum Beispiel: klar, die Braut, der Bräutigam, die Gäste. Aber auch die Deko, die Location, die kleinen Details, die die Stimmung des Tages einfangen – ganz ohne erkennbare Gesichter. Genau diese Bilder kann ich zeigen. Aber die Highlights sind dann doch die Bilder der Menschen. Die Freudentränen, das Lächeln, die Blicke, die das Paar sich zuwirft.
Und das ist das eigentlich Ironische an der ganzen Sache: Ich habe einen hohen Anspruch an das, was ich tue. Beste Qualität, maximale Aufmerksamkeit fürs Detail. Aber ein Anspruch, den kaum jemand sieht, ist wie ein Ziel, das du dir setzt und dann niemandem erzählst. Er existiert. Aber er wirkt nicht nach außen.
Vielleicht sollte ich dann doch auch mal etwas mehr an der Außenwirkung arbeiten 😉

Bei der Stockfotografie ist es fast dasselbe
Vielleicht denkst du jetzt: „Okay, aber du machst doch auch seit 6, fast 7 Jahren Stockfotografie. Da kannst du doch zeigen, was du kannst?“
Ja. Und nein.
Meine Stock-Bilder sind bunt gemischt, viele verschiedene Motive, quer durch alles, was mir vor die Linse läuft. Das kann ich zeigen, das ist mein zweites, kleines Standbein neben der Auftragsfotografie. Aber auch da gilt im Kern dasselbe Prinzip: Keine Menschen ohne Modelfreigabe. Sobald ein erkennbarer Mensch im Bild ist, bräuchte ich ein unterschriebenes Model-Release. Ohne das nimmt keine seriöse Stock-Plattform das Bild überhaupt an. Zeigen dürfte ich es erst recht nicht.

Also auch hier: Die Fotos ohne erkennbare Menschen sind die, die frei durch die Welt reisen können. Alles, wo Menschen im Fokus stehen, bleibt fast automatisch unter Verschluss. Zwei komplett unterschiedliche Standbeine, Auftragsarbeit und Stockfotografie, und trotzdem läuft beides gegen dasselbe stille Prinzip: Privatsphäre geht vor Sichtbarkeit.
Was bei Stock noch dazu kommt: Die Kunden sind weltweit aktiv und kaufen jeden Scheiss. Und das ist wirklich wörtlich gemeint. Ich habe sowohl gute als auch schlechte Bilder online. Man denkt, die Schlechten will ja eh keiner. Pustekuchen: Eine Nahaufnahme von einem Pferdeapfel hab ich schon 2x verkauft. Ein ultra hässliches, richtig schlecht gemachtes und auch technisch schlechtes Bild, quasi ein Knipser im Vorbeilaufen, hat mir auch zwei Verkäufe und 28 Dollar gebracht. Ich hätte nie gedacht, dass auch Bilder, die ich persönlich eigentlich löschen würde, einen Käufer finden. Daher habe ich irgendwann so ziemlich alles hochgeladen, auch den „Ausschuss“. Daher ist Stock jetzt leider auch keine Sammlung meiner Best-of-Bilder.
Was ich daraus mitnehme
Ich hab lange gedacht, das Problem sei mein Portfolio. Zu wenig Auswahl, zu wenig „Wow“-Bilder online. Mittlerweile sehe ich es anders: Meine Kundinnen und Kunden haben ein Recht darauf, dass ihre Bilder wirklich ihre bleiben. Das ist keine Schwäche meiner Arbeit, das ist Respekt vor ihrer Privatsphäre. Und das ist gut so.
Wenn du Lust auf tolle Bilder hast, die wir beide, du und ich, mit der Welt teilen dürfen: Melde dich gerne. Ich gebe dir 5% Rabatt auf unser Shooting. Wenn du die Bilder lieber für dich behalten möchtest, auch kein Problem. Dann teile ich selbstverständlich auch nichts mit der Welt.
