Die Taubenkönigin

Fotowettbewerb – Warum ausgerechnet dieses Bild?
Mein Bild Die Taubenkönigin ist für mich ein wunderbares Beispiel dafür, dass Fotografie oft dort beginnt, wo unsere Pläne enden und manchmal sogar dort, wo erst einmal alles schiefgeht.
Eigentlich wäre dieses Bild nie entstanden, wenn ich nicht vorher sitzen gelassen worden wäre. Ich hatte mit einem Kumpel eine spontane Bosnien-Reise geplant. Alles war organisiert, Kameraakkus geladen, ich war bereit. Und dann meldet er sich ab: „Du, ich kann doch nicht. Bin wieder mit meiner Ex zusammen und die will nicht, dass ich mit anderen Frauen in den Urlaub gehe.“ Ja. Super. Danke auch.
Ich stand da also: Reise gebucht, Laune irgendwo zwischen genervt und trotzig, aber gleichzeitig mit diesem Gefühl von: „Jetzt erst recht.“ Schließlich hat die Trotzigkeit gesiegt. Wenn mein Kumpel sich von anderen Menschen vordiktieren lassen will, was er machen darf und was nicht, ist es doch sein Pech. Und in his face, das wird der geilste Urlaub, den es je gegeben hat!!! Also bin ich einfach alleine los. Ich wusste nicht viel über Bosnien. Ich wusste zum Beispiel nicht, welche Religion die Menschen dort haben. Über sowas hab ich mich in dieser Situation auch gar nicht informiert.
Ich kam am Flughafen an. Und ich nenne ihn bis heute liebevoll „die Bretterbude“. Das war kein Terminal, das war eine Lagerhalle mit Ambitionen. Vor der Tür standen fünf ToiTois. Drinnen ein alter Tapeziertisch, der als Mietwagenstation diente. Leider habe ich damals noch nicht geahnt, dass ich mal einen Blogbeitrag darüber schreiben werde, daher hier nur ein paar schlechte Schnappschüsse um einen Eindruck zu bekommen:
Und während ich versuche zu klären, wie ich jetzt von der Bretterbude in die nächste Stadt zu meiner Unterkunft komme, ertönt plötzlich draußen der Muezzinruf. Direkt am Parkplatz vor der Bretterbude. Ich stand da mit meinem Backpack und dachte nur: „Wo bin ich hier gelandet?“
Ich fühlte mich in dem Moment wirklich lost – aber angenehm lost. Dieses Gefühl von: Ich habe keine Ahnung, wo ich bin, aber ich bin gespannt, was passiert.
Und genau dieses Gefühl hat mich später in Tuzla auf einem kleinen Platz landen lassen. Ich hatte keine Pläne, keine Termine, niemanden, der mir sagte: „Lass uns weiter, wir müssen noch dies und das machen.“ Ich hatte nur Zeit. Und manchmal ist genau das das größte Geschenk, das man als Fotografin bekommen kann: Zeit und offene Augen.
Also saß ich dort am Brunnen, leicht genervt noch von der Absage meines Kumpels, aber gleichzeitig neugierig. Ich beobachtete die Tauben und irgendwann wurde aus diesem einfachen Beobachten dieser magische Moment.
Plötzlich trat sie auf: meine spätere Taubenkönigin.
Sie stellte sich hin wie eine Rednerin vor ihrem Volk. Sie breitete die Flügel aus: Nicht hektisch, nicht flatternd, sondern mit einer Haltung, als hätte sie gerade die Eröffnungsrede eines Gipfeltreffens zu halten. Das Licht kam perfekt. Ihre Silhouette war glasklar. Und alle anderen Tauben schauten zu ihr, als würden sie sagen: „Ja, Majestät? Wir sind bereit.“
Ein Mini-Theaterstück nur für mich. Ein Moment voller Persönlichkeit, den du nicht planen kannst. Es war, als würde diese Taube symbolisch sagen: „Ich übernehme jetzt. Tretet zurück.“
Und ich liebe solche Momente. Diese kleinen Geschichten, die dir die Welt einfach so schenkt, wenn du hinschaust. Für mich zeigt dieses Bild, wie wichtig es ist, Raum zu lassen. Raum für Zufälle, für Geschichten, für Begegnungen und manchmal auch für königliche Tauben.
Und das Spannende ist: All das wäre nie passiert, wenn ich auf diese Reise verzichtet hätte, nur weil jemand anderes abgesagt hat. Viele der Fotos die in diesen Tagen entstanden sind, wären nie entstanden. Viele Begegnungen die ich hatte, wären nie passiert. Viele Erfahrungen hätte ich nicht gesammelt.
Und deshalb ist das für mich nicht nur ein Foto. Es ist eine Erinnerung daran, warum ich überhaupt losgehe.
Denn am Ende gilt für mich in der Fotografie und im Leben:
Erfolg kommt vom Tun.
Wäre ich nicht trotzdem gereist, hätte ich diese Taubenkönigin nie getroffen. Manche Bilder entstehen erst, wenn man sich traut, trotzdem loszugehen.
Hast du auch ein besonderes Bild, dass dich an eine besondere Begebenheit erinnert? Erzähl mir gerne davon! Vielleicht möchtest du deine Story dazu auch in einem Gastbeitrag teilen? Schreib mir gerne!



