Abwertung und Verachtung in Songs

    Ich habe mich neulich mit ChatGPT über ein Thema unterhalten, das mich schon länger interessiert: Abwertung in Songs. Mir fiel auf, dass viele Lieder oftmals Frauen oder seltener auch Männer schlecht machen. Aber irgendwie schien es, als würden wirklich deutlich mehr Songs Frauen abwerten als Männer. Um das herauszufinden, habe ich mir Musik zusammen suchen lassen und tatsächlich bestätigt sich dieser Eindruck.

    Hier fasse ich die Ergebnisse zusammen, erkläre die Unterschiede zwischen misandristischen (gegen Männer gerichteten) und misogynen (gegen Frauen gerichteten) Songs, schaue auf die Häufigkeit, den Schweregrad und die Genres und reflektiere die geschlechtsspezifische Perspektive.

    1. Abwertung gegenüber Männern (misandristische Songs)

    Misandristische Songs sind deutlich seltener als misogyn geprägte Songs. Die meisten stammen aus Pop- und R&B-Genres und werden oft von Frauen gesungen, die über Beziehungserfahrungen, Frust oder Empowerment singen.

    Typische Merkmale:

    • Männer werden als ersetzbar dargestellt
    • Männer gelten als unreif, inkompetent oder egoistisch
    • Emotional aggressive Aussagen sind häufig

    Gleich kommen einige Beispiele, die ChatGPT mir genannt hat. Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass diese nicht in jedem Fall meiner eigenen Meinung entsprechen und ich die Tabelle tatsächlich rein von ChatGPT übernommen habe (genauso wie die folgende Tabelle über misogyne Äußerungen in Songs). Ich finde eher, dass viele dieser Songs eben gerade nicht misandristisch sind. Das ist natürlich meine weibliche Sicht. Und das KI ja wie wir bereits wissen, selbst eher auf Seite des Patriarchats steht (siehe auch mein Blogartikel zum Thema warum KI Frauen weniger Geld verdient), habe ich die Tabelle einfach so mal übernommen um den Vergleich zu schaffen. Es soll allerdings nichts davon unkritisch hingenommen werden. Viele Künstler*innen haben meiner Meinung nach auf dieser Liste nichts verloren.

    SongInterpretKritische Aussage(n)
    IrreplaceableBeyoncéMann als ersetzbar, keine Wertschätzung
    Best Thing I Never HadBeyoncéMann als Fehlinvestition, emotionale Abwertung
    No ScrubsTLCMänner als „Loser“ abgewertet, nicht beziehungswürdig
    Truth HurtsLizzoMänner als unzuverlässig und inkompetent dargestellt
    Caught Out ThereKelisExplizite Wut auf einen Mann, aggressive Abwertung
    U + Ur HandP!nkMänner als lästige Aufreißer, Frau selbstbestimmt
    So WhatP!nkMann als unwichtig, Frau unabhängig
    That Don’t Impress Me MuchShania TwainMann als Angeber / uninteressant
    Man! I Feel Like a Woman!Shania TwainMänner werden indirekt kritisiert, Frauen feiern Selbstbestimmung
    Break Up With Your Girlfriend, I’m BoredAriana GrandeMann als manipulierbar, Frau hat Macht
    ProblemAriana GrandeMann als Problemquelle, Frau setzt Regeln
    We Are Never Ever Getting Back TogetherTaylor SwiftMann wird als wiederkehrendes Problem dargestellt
    I Knew You Were TroubleTaylor SwiftMann als unzuverlässig / toxisch
    New RulesDua LipaMänner als Versuchungen, Frau muss Regeln setzen
    TraitorOlivia RodrigoMann als Verräter, emotional abgewertet
    Bills, Bills, BillsDestiny’s ChildMann als faul und unreif, finanzielle Abwertung
    Take a BowRihannaMann als unwürdig / betrügerisch

    Fazit: Männerverachtende Songs sind selten, emotional geprägt, selten sexualisiert. Am häufigsten in Pop, R&B und weiblich geprägtem Hip-Hop.

    Kommen wir zu

    2. Abwertung gegenüber Frauen (misogyne Songs)

    Frauenverachtende Songs sind deutlich zahlreicher und kommen aus Rap, Hip-Hop, Rock, Pop, Schlager und Country. Sie zeichnen sich durch körperliche Sexualisierung, Objektifizierung und teilweise extreme Abwertung aus.

    Typische Merkmale:

    • Frauen als sexuelle Objekte
    • Häufig sexualisierte Sprache
    • Explizit beleidigende oder gewalttätige Inhalte
    • Männer als Urheber dominieren, Frauen seltener

    Hier kommen dann die Beispiele, die ChatGPT mir für misogyne Songs genannt hat. Ich muss zugeben, dass ich nichteinmal jeden Song selbst kenne.

    SongInterpretKritische Aussage(n)
    10 n@ckte FriseusenMickie KrauseSexualisierung, Frauen als Objekte
    Finger im Po, MexikoMickie KrauseFrauen sexualisiert
    Dicke T!tt€n KartoffelsalatDie KassiererExplizit beleidigend und sexualisiert
    Das geht abFrauenarztFrauen als Party-Objekte
    Deine Pu$$y glattrasiertFrauenarztFrauen als Sexualobjekte
    @r$chf!ck$ongSidoFrauen sexualisiert, abwertend
    Fuffies im ClubSidoFrauen sexualisiert, konsumorientiert
    Von der Skyline zum Bordstein zurückBushidoFrauen als Besitz / Objekt
    Denk an michBushidoFrauen als Trophäen
    Red Light DistrictKollegahFrauen sexualisiert, abwertend
    StiernackenkommandoFarid BangFrauen sexualisiert, abwertend
    Ohne mein TeamBonez MC & RAF CamoraFrauen sexualisiert
    Chabos wissen wer der Babo istHaftbefehlFrauen als Besitz/Objekt
    Dreh den Swag aufMoney BoyFrauen als Accessoire / Objekt
    B!tch€$ Ain’t $h!tDr. DreFrauen abwertend, stereotype Darstellung
    Ain’t No FunSnoop DoggFrauen als Sexualobjekte
    KimEminemExtrem frauenfeindlich, Gewaltfantasien
    Kill YouEminemFrauenfeindliche Gewaltfantasien
    P.I.M.P.50 CentFrauen als sexuelle Objekte / Besitz
    Candy Shop50 CentFrauen als Lustobjekt
    Super BassNicki MinajFrauen als Objekt männlicher Begierde
    Blurred LinesRobin ThickeSexualisierte Grenzüberschreitung, Objektifizierung
    Used to Love HerGuns N’ RosesGewaltfantasie / Abwertung
    Anton aus TirolDJ ÖtziFrauen sexualisiert, stereotype Rollen
    Whatever You LikeT.I.Frauen als Objekt männlicher Lust / Besitz
    Get LowLil Jon & The East Side BoyzFrauen sexualisiert, Party-Kontext
    Gimme MoreBritney SpearsSexualisiert, Frau auf Lustobjekt reduziert
    I’m a Slave 4 UBritney SpearsSexualisierung, Frauen als verfügbare Objekte
    Hot in HereNellyFrauen sexualisiert, Männerblick im Vordergrund
    Boys ‘round HereBlake SheltonFrauen auf stereotype „Dorf- / Hausfrau“-Rollen reduziert
    Whole Lotta RosieAC/DCFrauen sexualisiert, auf Körper reduziert
    Ein Bett im KornfeldJürgen DrewsFrauen sexualisiert, Objektifizierung
    Smack ThatAkonFrauen sexualisiert, keine Eigenständigkeit
    The Hills
    The Weeknd
    Frauen als Mittel zum Zweck, stereotype Rollen
    AnimalsMaroon 5rauen als Jagdobjekt dargestellt
    GorillaBruno MarsFrauen sexualisiert, Objektifizierung
    Talk dirtyJason DeruloFrauen sexualisiert, Objektifizierung
    Blurred LinesRobin ThickeSexualisierte Grenzüberschreitung, Objektifizierung
    Brown SugarThe Rolling StonesFrauen rassistisch & sexualisiert dargestellt

    Fazit: Misogyne Songs sind wesentlich häufiger, härter und sexualisierter als misandristische Songs. Besonders Rap, Hip-Hop und Rock dominieren hier, aber auch Pop, Schlager und Country tragen bei. Alleine schon, dass ich Songtitel mit Sonderzeichen füllen musste um nicht böse Wörter zu benutzen…

    Apropos böse Wörter: Das Schreibprogramm von WordPress, mit dem ich diesen Artikel schreibe, unterringelt wie bei Word Wörter rot, die es nicht kennt. Du darfst raten, was es unterringelt: Misogyn oder misandristisch? Letzteres natürlich. Alleine das der Fachbegriff für Frauenverachtung bekannt ist und der für Männerverachtung nicht, sollte schon zu denken geben.

    3. Gegenüberstellung: Häufigkeit, Schweregrad und Genre

    Aus den obigen Listen ergibt sich, dass (wenn ChatGPT recht hat), deutlich häufiger Frauen als Männer in der Musik verachtet werden. Männer kommen bei Pop, R&B und HipHop schlecht weg. Meistens sind die Gründe dafür: Frust, Egoismus, Unzuverlässigkeit, Expartner/Trennungen. Frauen stattdessen werden extrem häufig schlecht gemacht, über viele Genres (HipHop, Pop, Schlager, Country, …) und mit deutlich krasseren Aussagen. Meist geht es um Sexualisierung, Objektifizierung und Ausleben von Gewaltfantasien, sehr harter Tobak und häufig auch Dinge, die man eigentlich zensieren sollte.

    4. Persönliche Reflexion

    Die Recherche zeigt klar: Frauen werden in Songs häufiger, härter und sexualisierter abgewertet als Männer. Männer werden eher emotional kritisiert. Aus feministischer Sicht spiegelt Musik hier gesellschaftliche Machtverhältnisse: Männer dominieren die Abwertung von Frauen, Frauen nutzen Songs eher für Selbstermächtigung oder Frustbewältigung.

    Ohne die Unterstützung von ChatGPT hätte ich die Menge an Beispielen und den klaren Vergleich nie so recherchieren können. Es lohnt sich, beim Musik-Konsum bewusst hinzuschauen und kritisch zu reflektieren, wie Geschlechter dargestellt werden. Und als logische Konsequenz: Möchte ich weiterhin Musik solcher Interpreten hören um deren Abwertung und Einstellung noch mehr Bühne zu bieten? Wenn ich zu sexistischer K@k$ch€i$$€ abfeiere und tanze, denkt der DJ, es ist cool solche Songs zu spielen und legt noch mehr davon auf, genauso wie der Spotify Algoritmus oder die YouTube-Playlist…

    5. Was man dagegen tun kann

    Musik ist ein mächtiges Medium. Sie prägt, spiegelt und verstärkt gesellschaftliche Rollenbilder. Dass Frauen deutlich häufiger sexualisiert und abgewertet werden, ist ein gesellschaftliches Problem. Sprache schafft Wirklichkeit und die verwendete Sprache erzählt von einer Welt, in der ich persönlich lieber nicht leben möchte.

    Ein paar Ansatzpunkte, um dem entgegenzuwirken:

    1. Bewusst konsumieren:
      Hör dir Musik aktiv an und hinterfrage, wie Frauen und Männer dargestellt werden. Welche Rollenklischees werden reproduziert, welche Botschaften transportiert der Song?
    2. Genres und Künstler*innen diversifizieren:
      Es gibt viele Songs und Künstler*innen, die Empowerment, Respekt und Gleichberechtigung fördern. Wer bewusst solche Musik unterstützt, stärkt alternative Perspektiven.
    3. Kritische Diskussion fördern:
      Sprich über problematische Songs mit Freund*innen, in sozialen Medien oder in Communities. Bewusstsein ist der erste Schritt, um kulturelle Muster zu ändern.
    4. Eigene Inhalte reflektieren:
      Wer selbst Musik macht oder Texte schreibt, sollte auf Sprache und Botschaften achten. Welche Rollenbilder werden transportiert und wie lassen sich alternative Narrative erzählen?
    5. Empowerment-Songs feiern:
      Songs, die Frust, Selbstbestimmung oder Beziehungserfahrungen thematisieren ohne das andere Geschlecht abzuwerten, sind ein starkes Gegenmittel. Sie zeigen: Man kann stark, wütend oder selbstbewusst sein ohne andere abzuwerten.

    Deine Meinung?

    Ich hoffe ich konnte das Problem im Artikel gut darstellen. Ist dir auch schon abwertende Musik aufgefallen? Ich freu mich darauf, deine Meinung und deine Erfahrungen zu hören!

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