Ausgaben Senken, aber an den richtigen Hebeln

Teil 4 der Serie: PFP – Persönliche Finanz-Planung

Ich hab eine Menge Online-Kurse gekauft. Persönlichkeitsentwicklung, Fotografie, Finanzen, Marketing… alles dabei. Klingt erstmal sinnvoll, oder? Bildung ist Investition. Lebenslanger Zugriff. Man lernt ja immer was dabei.

Nur: Ich hab die meisten davon nie durchgearbeitet. Weil man hat ja lebenslangen Zugriff. Also mach ich die halt mal irgendwann. Später. Wenn mehr Zeit ist. Die Kurse liegen noch immer da. Mein Konto war trotzdem regelmäßig spürbar leerer. Ausgaben überraschen einen immer dort, wo man nicht hinschaut. Und genau deshalb schauen wir heute hin.

Der ausgelutschte Rat, den dir jeder geben will

Verzichte auf deinen Kaffee to go. Den Satz hast du tausend Mal gehört. Nicht weil ein Kaffee to go keine drei Euro kostet, sondern weil er schlicht am falschen Hebel ansetzt.

Wenn du mit deinem Kaffee to go glücklich in den Tag startest, dann gönn ihn dir hin und wieder. Es gibt deutlich schlimmere Dinge, die deutlich mehr Geld kosten als das. Wer beim Kleinkram spart, aber die großen Ausgaben ignoriert, spart sich kaputt und hat am Ende weder Geld noch Freude.

Die richtigen Hebel sind woanders: Versicherungen, die du nie prüfst. Abos, die still im Hintergrund laufen. Ratenkäufe, bei denen du nicht mehr weißt, was du dir überhaupt gekauft hast. Miete, die ein Drittel deines Einkommens frisst. Benzin, das du einfach ungeplant oder aus Faulheit verfährst, anstatt das Auto nur zu nutzen, wenn du es wirklich brauchst. Impulskäufe, die sich summieren.

Da ansetzten lohnt sich. Beim Kaffee herumzuoptimieren, während die großen Posten unangetastet bleiben, ist wie den Wasserhahn in der Küche zudrehen, während in Badewanne und Dusche das Wasser volle Pulle freie Fahrt bekommt.

Mein System: Das umgekehrte Sparkonto

Alle empfehlen dasselbe: Richte ein Sparkonto ein, überweise sofort nach Gehaltseingang und lebe vom Rest. Ich mache es andersherum.

Ich habe ein Ausgaben-Konto. Darauf liegt genau das Geld, das ich in diesem Monat ausgeben darf: Für Lebensmittel, Freizeitaktivitäten, spontane Einkäufe, alles was nicht fix abgebucht wird. Wenn das Konto leer ist, ist es leer. Keine Ausgaben mehr. Kein Nachschieben, kein „das zahle ich mir nächsten Monat zurück“.

Das klingt streng, aber es ist eigentlich befreiend. Denn du musst keine Willenskraft aufwenden. Die Entscheidung ist bereits getroffen. Das Konto ist leer. Ende der Diskussion. Als kleiner positiver Side-Effekt: Ich zahle alles mit Karte. Mit dieser speziellen Karte bekomme ich für jede Zahlung 1% wieder zurück, was für mich automatisch in meinen ETF-Sparplan eingezahlt wird. Willst du auch? Findest du hier.

Weiter zum Thema: Was hilft dabei noch? Eine Frage, die ich mir bei fast jedem Kauf stelle:

Brauch ich das wirklich?

Oftmals fährt es dann doch nur sinnlos in der Wohnung rum, verbraucht Platz, gammelt später im Keller oder strapaziert meine Zeit und meine Nerven, wenn ich versuche, es auf 2nd Hand Plattformen wieder loszuwerden.

Und beim Thema Essen bzw. Nahrungsmittel gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: Macht mich das nur kurz glücklich und ich zahle den Preis später mit meiner Gesundheit? Will ich wirklich Geld dafür ausgeben, meinem Körper langfristig zu schaden? Zuckerhaltige Snacks, stark verarbeitete Lebensmittel, Fast Food etc., das kostet doppelt: Einmal die Lebenszeit um das Geld zu verdienen und einmal später, wenn ich das Fett abtrainieren möchte oder meine Lebenszeit sich durch ungesunde Ernährung verkürzt. Zahlt auch nicht auf meine Ziele ein, denn ich möchte nicht nur finanzielle Freiheit haben, sondern auch ein möglichst langes und gesundes Leben um das Geld auch für positive Erlebnisse oder Dinge ausgeben zu können.

Lebensqualität kostet nicht immer Geld

Ich werde dazu noch einen eigenen Artikel schreiben, weil das Thema so groß ist. Aber soviel schon mal hier:

Lebensqualität und Geldausgeben sind nicht dasselbe.

Ich habe meine persönlichen Big 5 for Life: Fünf Dinge, für die ich lebe und die mein Leben wirklich bedeutsam machen. Was das für mich ist, kannst du hier nachlesen. An diesen Dinge wird nicht gespart. Lebensziele sind da, um erreicht zu werden. Alles andere darf optimiert werden.

Ein Beispiel: Konzerte sind für mich eines dieser Dinge. Live-Musik, die Atmosphäre, die Vorfreude und das tolle Erlebnis dabei gewesen zu sein. Das gehört zu meinem Leben. Aber ich kaufe nicht die teuersten Tickets in der ersten Reihe, wo man von der Masse gegen die Bühne gequetscht wird. Ich kaufe günstige Tickets weiter hinten. Das Hörerlebnis und die Atmosphäre ist gleich, der Stress und die Kosten sind geringer. Aus Konzert verzichten wäre wirklich sparen, aber das möchte ich bewusst nicht. Da verzichte ich lieber auf einen vermeintlich „besseren“ Platz in derselben Halle.

Und weißt du, warum ich das so klar sage? Weil Sparen ohne Lebensfreude keinen Sinn ergibt. Wenn ich jahrelang alle Konzerte streiche und irgendwann feststelle, dass Peter Maffay in Rente und die Rolling Stones Geschichte sind, dann hab ich zwar gespart, aber auch etwas verpasst, das ich nicht nachholen kann. Kein Betrag auf einem Konto ersetzt das.

Die Ausgaben, die sich heimlich summieren

Lass uns kurz konkret werden. Das sind die Kategorien, die ich empfehle, einmal wirklich durchzuleuchten:

Abonnements und Mitgliedschaften Streaming, Apps, Fitnessstudio, Magazine, Software. Wann hast du das letzte Mal alle durchgegangen? Kündige, was du seit drei Monaten nicht genutzt hast. Im Haushaltsbuch, was du nach Teil 1 dieser Serie geführt hast, findest du solche Posten und kannst sie für die Zukunft eliminieren.

Versicherungen Zu viele, zu teure, falsche. Ein Vergleich alle paar Jahre lohnt sich fast immer.

Ratenkäufe und Buy-now-pay-later Jede Ratenzahlung ist Geld, das du noch nicht hast. Und meistens kostet sie obendrauf noch Zinsen oder versteckte Gebühren. Zusammengerechnet wird es schnell ungemütlich.

Onlinekäufe im Affekt Abends auf dem Sofa einkaufen ist die teuerste Freizeitbeschäftigung, die es gibt. Warenkörbe einen Tag stehen lassen und dann nochmal schauen, ob du es immer noch brauchst.

Online-Kurse mit lebenslangem Zugriff Ja, ich schau dich an. Und mich auch. Bevor du den nächsten kaufst: Hast du den letzten durchgearbeitet? Brauchst du dieses Wissen überhaupt? Und wenn ja, musst du dafür Geld ausgeben oder kannst du es auch bei YouTube lernen? Ich möchte Kurse gar nicht verteufeln, mir haben sie sehr viel gebracht. Aber halt nicht alle und nicht zu jedem Zeitpunkt und nicht von jedem Anbieter.

Was ich mir trotzdem ohne schlechtes Gewissen gönne

Konzerte. Events wie Greator. Reisen. (Sinnvolles) Lernen. Dinge, die mich wachsen lassen, begeistern oder berühren.

Weil ich mittlerweile genau weiß, was mir wichtig ist. Und weil ich an den meisten Stellen im Leben bewusst entscheide, was ich wirklich brauche und was nicht. Das ist der Unterschied zwischen Verzicht und Entscheidung. Verzicht fühlt sich schlecht an. Entscheidungen, die du bewusst triffst, nicht.

Durch das Ausgaben-Konto muss ich auch gar kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich Geld ausgebe. Solange was auf dem Konto ist, ist es bereits geplant, dass diese Summe ausgegeben wird. Das Budget für Fixkosten, Spenden, Sparen und Investieren ist ja bereits getrennt davon.

Wie kommst du jetzt ins TUN?

Öffne heute deine Kontoauszüge der letzten drei Monate oder dein Haushaltsbuch, wenn du schon eines führst, und such dir eine Kategorie heraus, die dir zu hoch vorkommt. Nur eine erstmal. Nicht alles auf einmal. Dann stell dir die Frage: Will ich das wirklich oder ist das einfach passiert? Wenn du eine Antwort hast, weißt du, was zu tun ist. Frühestens Morgen, spätestens nächste Woche schaust du dir die zweite Kategorie an.

Wenn du dann ein paar Kosten optimiert hast und nach einigen Monaten Haushaltsbuch auch einen guten Überblick über deine Ausgaben hast, starte ein Ausgaben-Konto. Dorthin überweist du alles, was du pro Monat ausgeben „darfst“. Der Betrag darf durchaus etwas knapp bemessen sein. Du kannst dir auch ein Ziel setzen, wie viel du maximal für deine variablen Kosten ausgeben willst und dich diesem Ziel Monat für Monat immer etwas annähern.

Und wenn du beim Durchschauen deiner Ausgaben feststellst, dass du Unterstützung brauchst oder einfach jemanden zum Austauschen: Schreib mir oder trag dich in meinen Newsletter ein. Manchmal hilft ein zweites Paar Augen mehr als jede Tabelle.


Hinweis: Alles, was ich in dieser Blogserie teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und meinem selbst angeeigneten Wissen. Ich bin keine Finanzberaterin und gebe keine Anlageempfehlungen. Jede finanzielle Entscheidung liegt in deiner eigenen Verantwortung. Im Zweifel hol dir professionelle Beratung.

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