Notgroschen: Dein langweiliges Lieblingskonto

Teil 3 der Serie: PFP – Persönliche Finanz-Planung

Ich muss direkt gestehen: Ich hatte lange keinen Notgroschen. Wirklich gar keinen. Am Anfang war das keine Entscheidung, da war schlicht kein Geld übrig. Wer kaum genug verdient um die Grundausgaben zu decken, kann keinen Puffer aufbauen. Das war meine Realität und ich kenne sie gut. Aber dann hat sich mein Gehalt verbessert. Und weißt du, was ich gemacht habe? Ich hab angefangen zu investieren. Vollgas. Jeder freie Euro ist direkt in Aktien oder ETFs geflossen. Ich hab mir gesagt: Mein Job im öffentlichen Dienst ist bombensicher. Was soll schon passieren? Und wenn mal eine Spülmaschine kaputtgeht? Egal. Ich find schon irgendwo eine günstige oder sogar eine gratis. Dazu gibt es bestimmt auch bald mal einen Extra-Beitrag, solche Spartipps hab ich recht viele drauf 😎 Damit du den Beitrag nicht verpasst, kannst du gerne meinen Newsletter abonnieren.

Aber zurück zum Thema: Kein Notgroschen haben. Das hat eine Weile funktioniert. Bis Corona kam.
Mein Nebenjob im Theater ist von heute auf morgen weggefallen. Lockdown. Keine Vorstellungen, kein Geld. Plötzlich lief nur noch das reguläre Gehalt aus dem zum Glück tatsächlich bombensicheren Job im öffentlichen Dienst. Hat gereicht, aber das ungute Gefühl war trotzdem da. Und der Börsencrash lief parallel. Ich hatte kein Geld zum Nachkaufen und saß einfach nur da, hab mich über rote Zahlen geärgert, anstatt mich über billige Einstiegskurse freuen zu können.
Dazu gleich mehr. Denn da liegt ein wichtiges Missverständnis, das ich unbedingt ansprechen will.

Was ein Notgroschen ist und was er nicht ist

Ein Notgroschen ist kein Investitionskapital. Er ist kein Puffer für Schnäppchen. Er ist kein Geld, das du „irgendwann mal brauchst“. Er ist dein finanzielles Sicherheitsnetz für echte Notfälle: Jobverlust, Krankheit, kaputtes Auto, Steuernachzahlung, Nebenkostenabrechnung,… plötzliche Ausgaben, die das Leben nun mal mit sich bringt. Ich hab das damals falsch gedacht. Während des Corona-Crashs hätte ich den Notgroschen auf jeden Fall verwendet um günstig nachzukaufen. Total dämlich, denn genau das ist nicht der Sinn. Der Notgroschen ist für Notfälle, nicht für Marktchancen. Wer ihn für Investments verwendet, steht beim nächsten echten Notfall wieder ohne Netz da. Und dann ist es egal, ob die Börse gerade günstig ist oder nicht. Wenn du Geld brauchst und die Börse eben richtig mies läuft, stehst du da und hast echt ein Problem. Mit Verlust Aktien und ETFs verkaufen, die du eigentlich weiterhin halten willst, ist dann wirklich schmerzhaft.

Wie viel brauchst du wirklich?

Die klassische Empfehlung lautet: Drei Monatsgehälter. Ich gehe weiter. Meine Empfehlung: Sechs Monate deiner kompletten Haushaltsausgaben. Nicht dein Gehalt, sondern deine Ausgaben. Das ist ein Unterschied. Gemeint sind alle fixen und variablen Kosten deines echten Lebens: Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Strom, Ausgaben für Kinder, Haustiere, alles. Was du beim Notfall aussetzen kannst: Deine Sparrate. Die ist kein Muss, wenn gerade wirklich Not am Mann ist.

Und jetzt kommt der Teil, den viele vergessen:
Wenn du selbstständig bist, reichen sechs Monate Privatausgaben nicht. Du brauchst auch sechs Monate, in denen du dein Business weiter am Laufen halten kannst. Miete für dein Büro, laufende Kosten, Softwarelizenzen, Gehälter, was auch immer dein Business braucht. Selbstständigkeit bedeutet kein Kündigungsschutz, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kein Kurzarbeitergeld. Dein Puffer muss das abfedern.
Und auch wenn du angestellt bist: Kein Job ist so sicher wie er sich anfühlt.

Typische Fehler – erkennst du dich wieder?

Fehler 1: Gar kein Notgroschen.

Der häufigste. Entweder weil kein Geld übrig ist (das ist eine echte Einschränkung und kein Versagen), oder weil man sich sicher fühlt und das Geld lieber woanders hinsteckt. Ergebnis: Beim ersten unerwarteten Ausfall steht man blank da. Und trotz der besten Tricks gibt es Dinge, die man nicht sofort kostenfrei oder super günstig ersetzen kann. Auf manche Dinge kann man auch nicht einfach warten, bis sie mal irgendwann in einer Verschenke-Gruppe oder auf Kleinanzeigen auftauchen.

Fehler 2: Das Geld liegt auf dem Girokonto.

Technisch vorhanden, praktisch unsichtbar. Was auf dem Girokonto liegt, wird ausgegeben. Irgendwie. Irgendwann. Das Gehirn sieht Geld und denkt: Verfügbar. Und schon ist der Urlaub gebucht. Was machst du, wenn du den Rückflug verpasst? Bleibst du für immer anstatt nur den Sommer in Schweden, weil du kein Geld mehr für ein zweites Flugticket hast? (Dummes Beispiel, aber mir mal passiert. Wenn du kurz lachen willst, hier kannst du es nachlesen)

Fehler 3: Der Notgroschen wird für Nicht-Notfälle angezapft.

Ein Schnäppchen hier, ein Engpass dort. „Ich spare es ja wieder zurück.“ Meistens nicht vollständig. Oder im echten Notfall vielleicht auch nicht rechtzeitig. Und schon ist der Puffer weg.

Fehler 4: Das Geld ist investiert.

In Aktien, ETFs oder Krypto geparkte „Notgroschen“ sind keine Notgroschen. Was passiert, wenn du das Geld genau dann brauchst, wenn die Märkte gerade 30% im Minus sind? Du verkaufst mit Verlust oder du hast das Geld schlicht nicht verfügbar. Ich war während Corona in der guten Situation, dass mein laufendes Gehalt auch ohne Nebenjob ausreichend war. Was wäre, wenn nicht? Börse rot, Verkauf notwendig. Mist.

Wo parkst du ihn?

Kurz und einfach: Tagesgeldkonto. Jederzeit verfügbar, keine Schwankungen und im besten Fall gibt es noch ein bisschen Zinsen obendrauf. Aber hier kommt mein wichtigster praktischer Tipp: Park ihn bei einer anderen Bank als dein normales Konto. Aus den Augen, aus dem Sinn. Was du nicht täglich siehst, gibst du auch nicht aus. Ein separates Konto bei einer anderen Bank sorgt dafür, dass eine kleine Hürde entsteht . Ein bisschen mehr Aufwand, um an das Geld wirklich dran zu kommen. Zeitlich kein Problem dank Sofortüberweisung, aber nervig, sich da dann erstmal einzuloggen. Diese kleine Sache reicht oft schon, um das Geld unangetastet zu lassen. Du hast einfach ein paar Minuten mehr Zeit darüber nachzudenken, ob das jetzt wirklich nötig ist.

Notgroschen vs. Sparen – ist das nicht dasselbe?

Fast. Aber nicht ganz. Sparen bedeutet grundsätzlich: Geld nicht ausgeben. Zurücklegen. Egal wofür. Du sparst für deinen Notgroschen. Du sparst für ein neues Auto. Du sparst für die Altersvorsorge. Das alles ist Sparen. Investieren ist der nächste Schritt: Du nimmst dein Erspartes und legst es so an, dass es für dich arbeitet.

Der Notgroschen ist also eine Spar-Kategorie mit einem ganz klaren Zweck: Sicherheit. Er wird nicht investiert. Er wächst nicht spektakulär. Und das ist gut so. Denn seine Aufgabe ist nicht dich reich zu machen, sie ist vielmehr, dich ruhig schlafen zu lassen.

Wie kommst du jetzt ins TUN?

Rechne heute aus, wie hoch dein Notgroschen sein müsste. Nimm deine monatlichen Ausgaben aus Teil 1 und multipliziere sie mit sechs. Dann schau ehrlich: Wie weit bist du davon entfernt? Hast du bereits etwas? Liegt es auf dem richtigen Konto?
Wenn du noch gar nichts hast: Fang klein an. Auch 50 Euro im Monat auf ein separates Tagesgeldkonto sind ein Anfang. Der Notgroschen muss nicht sofort riesig sein, Hauptsache er wächst.
Und wenn du Fragen hast oder unsicher bist, wie du das für deine Situation berechnen sollst – schreib mir oder melde dich zum Newsletter an. Ich helfe dir gerne dabei.


Hinweis: Alles, was ich in dieser Blogserie teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und meinem selbst angeeigneten Wissen. Ich bin keine Finanzberaterin und gebe keine Anlageempfehlungen. Jede finanzielle Entscheidung liegt in deiner eigenen Verantwortung. Im Zweifel hol dir professionelle Beratung.

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