Investieren: Dein Geld muss arbeiten

Teil 7 der Serie: PFP – Persönliche Finanz-Planung

Ich hab mir mal eine Beyond Meat Aktie gekauft. Eine einzelne. Für 134,70 Euro. Beyond Meat macht Fleischersatzprodukte – ich fand die Idee großartig, das Produkt lecker und die Zukunft rosig. Was kann da schon schiefgehen?

Der Kurs liegt gerade unter einem Euro. Verlust: über 99%.

Was ich daraus gelernt habe: Nur weil ich ein Produkt feiere, muss die Aktie nichts taugen. Und eine einzelne Aktie auf ein Unternehmen zu setzen, weil man den Burger lecker findet, ist keine Strategie. Das ist Glücksspiel.

Diese Geschichte erzähl ich dir nicht zum abzuschrecken. Sie verdeutlicht eher das wichtigste Prinzip dieses Artikels in perfekt zusammengefasster Form: Erst lernen, dann handeln.

Kurz für alle, die bei Null starten

Bevor wir weitermachen, klären wir kurz die Grundbegriffe. Nur damit wir die gleiche Sprache sprechen:

  • Aktie: Du kaufst einen winzigen Anteil an einem Unternehmen. Läuft es gut, steigt der Wert. Läuft es schlecht, sinkt er. Im schlimmsten Fall ist das Unternehmen pleite und dein Geld ist weg.
  • ETF: Ein Korb aus vielen Aktien gleichzeitig. Statt alles auf eine Karte zu setzen, investierst du breit gestreut. Günstiger als klassische Fonds, an der Börse handelbar.
  • Fonds: Ähnlich wie ETF, aber ein Fondsmanager entscheidet aktiv, was in den Korb reinkommt. Kostet mehr wegen dem Manager und bringt meistens trotzdem weniger als ein simpler ETF.
  • Anleihen: Du leihst einem Unternehmen oder Staat Geld und bekommst dafür Zinsen. Weniger Risiko als Aktien, aber auch weniger Rendite.
  • Immobilien: Kaufen, vermieten, Wertsteigerung mitnehmen beim Verkauf. Braucht viel Eigenkapital und ist nicht mal eben wieder zu Geld zu machen, kann sich aber langfristig richtig lohnen.
  • Kryptowährungen: Bitcoin, Ethereum und Co. Extrem schwankend, kein staatlicher Schutz, komplexer. Aber auch mit teils extremen Renditechancen. Nichts für schwache Nerven und nur mit Geld, dessen Verlust du wirklich verschmerzen kannst.
  • Tagesgeld / Festgeld: Kein Investment im klassischen Sinne, aber sicheres Parken mit kleinen Zinsen. Tagesgeld jederzeit verfügbar, Festgeld für einen festen Zeitraum gebunden.
  • Edelmetalle: Gold, Silber. Klassische Krisenabsicherung. Wirft keine laufenden Erträge ab, kann aber als Beimischung sinnvoll sein.
  • Dividenden: Manche Unternehmen schütten einen Teil ihres Gewinns regelmäßig an Aktionäre aus. Passives Einkommen, dein Geld zahlt dir quasi Gehalt. Aktien können Dividende zahlen, ETFs auch.
  • Watchliste: Dein Depot bietet dir eine Liste an, auf die du Aktien und ETFs setzen kannst, die du beobachten möchtest.

Welche Anlageform passt zu dir?

Kurze Antwort: Die, die du verstehst.

Lange Antwort: Jede Anlageform hat ihre Daseinsberechtigung, je nach Ziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft. Hier ein kurzer Überblick:

ETFs sind für viele Einsteiger ein guter Startpunkt. Breit gestreut, historisch solide Renditen, überschaubare Kosten. Schwanken mit dem Markt, aber wer lange genug drin bleibt, hat historisch betrachtet immer gut abgeschnitten.

Einzelaktien können sich lohnen, wenn du weißt, was du tust. Und damit meine ich wirklich weißt, nicht „ich find das Produkt gut“. Hohes Renditepotenzial, aber auch hohes Risiko. Meine Beyond Meat Aktie grüßt.

Immobilien binden viel Kapital, sind wenig flexibel und machen Arbeit. Gleichzeitig können Mieteinnahmen und Wertsteigerung langfristig sehr attraktiv sein. Ich hab selbst Immobilien, aber das ist nichts, was man mal eben nebenbei macht.

Krypto ist für manche ein Teil des Portfolios, aber bitte nur mit Geld, das du komplett verlieren kannst. Kein Witz, kein Übertreiben. Das muss man wirklich ernst meinen und ist irgendwie auch eine Glaubensfrage.

Tagesgeld und Festgeld sind kein Vermögensaufbau, aber ein sinnvoller Parkplatz für Geld, das du in absehbarer Zeit brauchst oder nicht riskieren willst. Der Notgroschen aus Teil 3 gehört hierher.

Edelmetalle als Beimischung: Warum nicht? Als einziges Investment? Eher nicht.

Erst lernen, dann handeln

Ich sag’s nochmal, weil es wirklich wichtig ist.

„Ich steck das einfach mal in einen ETF“ klingt harmlos. Aber was machst du, wenn der Markt 40% einbricht? Verkaufst du in Panik? Wartest du? Kaufst du nach? Wer das nicht vorher durchgedacht hat, trifft in der Krise die schlechtesten Entscheidungen. Und Krisen kommen. Immer.

Bevor du einen Euro investierst, beantworte dir ehrlich:

  • Was will ich damit erreichen und wann brauche ich das Geld?
  • Wie viel kann ich finanziell verlieren, ohne dass mein Leben kippt?
  • Wie reagiere ich, wenn mein Depot 30% im Minus ist?
  • Wann verkaufe ich meine Anteile und mit welchem Grund?

Wer darauf keine Antwort hat, sollte erstmal ganz viele Bücher lesen, Podcasts hören, Videos schauen, lernen und verstehen oder fachkundige Hilfe beanspruchen (Spoiler: Das ist nicht dein Bankberater). Dann erst investieren.

Rote Zahlen, Corona und was ich daraus gelernt hab

Während Corona hab ich am eigenen Leib gespürt, was es heißt, keine Liquidität zu haben. Die Kurse waren im Keller, günstig wie selten. Und ich hatte kein Geld zum Nachkaufen, weil mein Nebenjob im Musical sofort weggefallen ist. Theater zu, kein Extra-Geld, Ende. Darüber hab ich in Teil 5 schon geschrieben.

Ich saß also da, sah rote Zahlen auf der Watchliste und konnte nichts tun außer warten. Dabei wäre Nachkaufen meine eigentliche Strategie gewesen.

Kaufen wenn es günstig ist, halten wenn es läuft. Das klingt einfach. In der Praxis bedeutet es: Ruhig bleiben, wenn alle in Panik sind. Das lernt man nicht in dem Moment, in dem es passiert. Das muss man vorher schon mal durchgedacht haben.

„Ich hab doch gar nicht genug Geld zum Investieren“

Dann hast du es eigentlich umso nötiger.

Die gesetzliche Rente wird für die meisten nicht reichen. Das ist keine Meinung, das sind Zahlen. Wer nichts aufbaut, lebt später von dem, was übrig bleibt. Und das wird in vielen Fällen wenig sein. Ich persönlich glaube nicht daran, dass ich später eine gesetzliche Rente bekommen werde. Falls ja, wird es ein Goodie sein, aber nicht für meinen Lebensunterhalt ausreichen.

Stell dir die Frage ehrlich: Willst du jetzt anfangen, mehr zu verdienen oder zu sparen? Oder lieber im Alter, wenn du vielleicht gesundheitlich nicht mehr so fit bist wie heute, mit dem auskommen was der Staat dir evtl. gibt?

Das ist jetzt sehr direkt. Es bringt aber auch nichts, das schönzureden.

Wenn das Geld gerade wirklich nicht da ist, dann ist Teil 5 dieser Serie der richtige nächste Schritt für dich, Einnahmen erhöhen. Denn wer mehr verdient, kann mehr investieren. Und wer früher anfängt, hat den Zinseszins auf seiner Seite. Der ist langweilig. Jahrelang passiert scheinbar wenig, aber irgendwann zündet die Rakete.

Übernimm Verantwortung für dein Leben. Sonst macht es niemand für dich.

Wie kommst du jetzt ins TUN?

Wenn du noch nie investiert hast: Fang nicht mit Geld an. Fang mit Wissen an. Lies, schau, lern. Erst wenn du verstehst, was du da eigentlich tust, öffnest du ein Depot. Lies diese Blogserie von Anfang an. Rede mit Freunden, vernetze dich. Fange schon mal mit Sparen an. Erhöhe dein Einkommen, während du dich ins Geld-Thema einarbeitest.

Wenn du schon investiert bist: Schau dir heute dein Portfolio an. Weißt du noch warum du das so gemacht hast? Passt es noch zu dem, was du willst? Wie reagierst du beim nächsten Einbruch?

Fragen, Unsicherheiten, einfach Austausch? Schreib mir oder melde dich im Newsletter an. Du bist nicht alleine und mir persönlich hat nichts mehr geholfen, als der Austausch mit anderen Menschen. Wir sind alle auf dem selben Weg, sobald wir mal anfangen und losgehen.


Hinweis: Alles, was ich in dieser Blogserie teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und meinem selbst angeeigneten Wissen. Ich bin keine Finanzberaterin und gebe keine Anlageempfehlungen. Jede finanzielle Entscheidung liegt in deiner eigenen Verantwortung. Im Zweifel hol dir professionelle Beratung.

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