Was ein Foto und ein Ziel gemeinsam haben und warum beides Fokus braucht
Ich wollte ein Zebra-Foto. Nicht irgendein Zebra-Foto. Sondern genau dieses eine – so wie es damals bei IKEA als Leinwand zu kaufen war. Nah. Scharf. Mit Charakter. Du weißt schon: Das Bild, das man sich ansieht und denkt, ja, genau das. Und bestenfalls sogar noch schöner, besser getroffen, echter, nahbarer, einfach noch perfekter, als IKEA es je auf Leinwand drucken könnte.
Also hab ich angefangen zu suchen. Und zu fotografieren. Und zu scheitern.
Zebras in Zoos? Zu weit weg. Zaunstäbe vor dem Motiv. Licht falsch. Schlechte Positionierung des Motivs. Nicht das, was ich vor Augen hatte. Fast wollte ich aufgeben, aber ich hab nicht aufgehört sondern umgedacht: „Wie kann ich ein Zebra dazu bringen, sich in Pose zu stellen und wo komme ich nah genug ran?“ Und irgendwann hab ich einen Tierpark gefunden, in dem ich die Zebras nicht nur fotografieren, sondern auch streicheln konnte. Streicheln ist super, aber noch besser: Man kann sie dort auch mit Futter bestechen. I love it!
Das Foto hab ich bekommen. Genau das, das ich wollte. Besserer Winkel, schönere Farben, mehr Persöhnlichkeit:

Das Objektiv lügt nicht
Wenn du ein Foto machst und es wird schlecht, liegt das nicht am Motiv. Das Motiv ist genau da, wo es ist. Es liegt an deinem Fokus. Genau wie im echten Leben.
Wir haben Ziele. Meistens sogar mehrere auf einmal. Den Job wechseln. Mehr Sport. Endlich das Projekt starten. Mehr Zeit für die Familie. Und wir wundern uns, warum wir nicht vorankommen. Dabei ist die Antwort so simpel wie frustrierend: Wir fokussieren auf alles. Und wer alles scharf stellen will, bekommt am Ende: Nichts.
Ein Objektiv kann nicht gleichzeitig auf Vordergrund und Hintergrund fokussieren. Du musst dich entscheiden.
Ich wollte das Zebra-Foto. Nicht das Zoo-Foto, nicht das „geht auch so“-Foto. Ich habe mich entschieden. Und dann den Weg gefunden. Natürlich war von Vorteil, dass die Futter-Bestechung wirkte. Natürlich spielt auch ein bisschen Glück mit rein. Aber hätte ich nicht diesen Wunsch nach einem besseren Bild als auf der Leinwand in der Verkaufshalle gehabt, hätte ich ja schon aufgegeben, bevor ich mein letztliches Model überhaupt gefunden hätte. Fokussiert am Ziel dran bleiben, hat mich am Ende tatsächlich zum Ziel gebracht.
Unschärfe ist keine Schwäche
Hier kommt der Teil, den die meisten übersehen. Wenn das Bild unscharf ist, sagt mir das etwas. Es sagt mir: Du hast noch nicht entschieden, was zählt. Die Unschärfe ist kein Fehler – sie ist ein Hinweis.
Genau so ist es mit deinen Zielen. Wenn du morgens aufwachst und nicht weißt, woran du heute arbeiten sollst, wenn du das Gefühl hast, viel zu tun und trotzdem nicht voranzukommen, dann ist das nicht immer Faulheit. Das ist Unschärfe. Und Unschärfe bedeutet: Du hast noch nicht wirklich entschieden, was dein Motiv ist. Was ist das eine, wofür du die Kamera in die Hand nimmst?
Oder im Leben: Wo willst du überhaupt hin? Wenn deine Leiter am Kirschbaum steht, kannst du keine Äpfel pflücken.

Fokus bedeutet nicht, den Rest zu ignorieren
Jetzt kommt der häufigste Einwand, den ich kenne und den ich selbst lange hatte:
„Aber ich habe doch mehrere Ziele. Ich kann doch nicht einfach alles andere weglassen.“
Richtig. Und das musst du auch nicht.
Beim Fotografieren verschwindet der Hintergrund ja nicht. Er ist immer noch da. Er bekommt nur gerade nicht die Aufmerksamkeit. Er darf unscharf sein, damit das Wesentliche umso klarer wird.
Ich habe beim Zebra-Suchen nicht aufgehört, andere Tiere oder Menschen oder Landschaften zu fotografieren. Aber das Zebra hatte Priorität. Alles andere kam danach.
Das ist der Unterschied zwischen Priorität und Aufgabe. Du gibst nicht auf. Du wählst, was jetzt zählt.
Die drei Fragen, die ich mir vor jedem Shooting stelle (und vor jedem Ziel!)
Ich habe mir angewöhnt, vor einem Shooting drei Fragen zu stellen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich dieselben Fragen stelle, wenn ich mit Menschen an ihren Zielen arbeite.
1. Was soll in diesem Bild bleiben, was darf verschwinden? Im Coaching heißt das: Was ist wirklich wichtig und was ist nur Ablenkung?
2. Welches Licht, welche Stimmung, welche Position brauche ich dafür? Im Coaching: Welche Ressourcen, Menschen oder Bedingungen brauche ich, damit dieses Ziel gelingen kann?
3. Bin ich bereit, zu warten oder umzudenken? Im Coaching: Bin ich bereit, dran zu bleiben, auch wenn der erste Weg nicht sofort funktioniert? Bin ich bereit, einen zweiten Weg zu versuchen?
Drei Fragen. Kamera und Leben. Immer wieder dieselben Antworten.
Beim Zebra war es übrigens Frage drei, die den Unterschied gemacht hat. Der Zoo hat nicht funktioniert. Aber ich hab nicht aufgehört, ich hab den Weg geändert. Das es diesen Tierpark gibt, wusste ich damals noch gar nicht. Und eine Reise nach Afrika mit Safari war mir wegen einem Bild, das ich nicht sicher in den Kasten kriegen würde, dann doch auch zu teuer.
Das beste Bild ist nicht das komplizierteste
Es ist bis heute mein liebstes Foto, das ich je gemacht habe. Wir sind in Büchern abgedruckt worden, wir sind in Galerien ausgestellt worden. Und das alles ohne, dass es ein technisches Meisterwerk geworden ist. Es ist ein Moment. Klar. Einfach. Und sehr nah an einem Zebra.
Und meine größten Erfolge in Sachen Zielerreichung? Die waren auch nie die mit dem ausgefeiltesten Plan. Die waren die, bei denen ich genau wusste: Das will ich. Und ich fange jetzt an. Jetzt! Und egal wie.
Weniger Rauschen. Mehr Klarheit. Das ist alles, was Fokus bedeutet.
Was du heute tun kannst

Nimm dir drei Minuten. Und beantworte diese Frage schriftlich:
Wenn du nur ein einziges Ziel hättest, das du bis Ende des Jahres erreichst: Welches wäre das?
Schreib es auf. Häng es an deinen Kühlschrank. Schau, was passiert, wenn du eine Woche lang jeden Morgen mit genau diesem einen Ziel startest. Du wirst überrascht sein, wie viel schärfer dein Tag auf einmal wird.
Und: Leg eine Belohnung für dich fest, wenn du es geschafft hast. Das Zebra freut sich auch über ein Stück Möhrchen für unseren gemeinsamen Erfolg. So macht es doch gleich viel mehr Spaß, beim nächsten Projekt wieder Model zu stehen.
Du willst mehr davon?
Wenn dich das Thema Fokus und Zielerreichung beschäftigt, dann komm in meinen Newsletter. Dort schreibe ich regelmäßig über genau solche Themen – direkt, persönlich und ohne Blabla. Versprochen.
👉 Hier zum Newsletter anmelden
Ich freue mich auf dich! 📸
