Schulden: So wirst du sie los

Teil 2 der Serie: PFP – Persönliche Finanz-Planung

Ich fange mal mit einem Geständnis an. Früher war ich mal eine Weile immer wieder im Dispo. Keine große Summe, kein riesiger Schuldenberg, aber doch vorhanden. Ich hab einfach extrem viel zu wenig verdient. Selbst für ein bescheidenes und extrem sparsames Leben hat es damals nicht gereicht. Dadurch hab ich zum einen sehr gut Sparen gelernt, aber auch gemerkt wie wichtig guter Verdienst und gute Planung ist.

Ich erzähl dir das nicht, damit du dich besser fühlst. Ich erzähl es dir, weil Schulden kein Zeichen von Versagen sind. Sie sind oft einfach ein Zeichen davon, dass das Leben passiert ist und das Budget gerade nicht mitgespielt hat.

Was ein Zeichen von Versagen wäre? Hinschauen und trotzdem nichts tun. Aber das wirst du nach diesem Beitrag nicht mehr.

Schulden sind nicht gleich Schulden

Bevor wir in die Strategie gehen, müssen wir kurz über etwas reden, das viele vergessen: Es gibt Schulden, die dich voranbringen und Schulden, die dich ausbremsen.

Die „guten“ Schulden sind solche, die dir langfristig etwas bringen. Ein Immobilienkredit bei einer schlau berechneten Wohnung zum Beispiel. Wenn du eine Wohnung als Kapitalanlage kaufst und die Mieteinnahmen (oder später der Verkaufserlös) den Kredit mehr als rechtfertigen, ist das kein Problem. Das ist Strategie. Auch beim Eigennutz kann ein Immobilienkredit sinnvoll sein. Du baust Vermögen auf anstatt jeden Monat Miete zu zahlen, die spurlos verschwindet. Ähnliches gilt für Bildungsinvestitionen: Ein Kredit für eine Ausbildung oder ein Studium, das dein Einkommenspotenzial langfristig erhöht, ist in den meisten Fällen gut angelegtes geliehenes Geld. Mittlerweile habe ich Schulden. Eine extrem viel höhere Summe als der Mini-Dispo von damals. Das liegt aber an mit Fremdkapital beschafften Immobilien.

Die „schlechten“ Schulden sind alle anderen. Der Dispo, den du jeden Monat ein bisschen weiter ausreizt. Der Ratenkredit für das neue Sofa. Der Ratenkauf fürs Handy. Buy now – pay later für egal welches Produkt. Die 200 Euro, die du noch deiner besten Freundin schuldest. Das sind Schulden, die dir nichts bringen außer Zinsen und/oder einem leisen, nagenden Gefühl im Hinterkopf.

Und genau die schauen wir uns jetzt an.

Schritt 1: Schulden schriftlich erfassen

Der erste Schritt ist derselbe wie beim Status Quo: Hinschauen. Alles raus, was du dir geliehen hast, egal von wem und egal wie unangenehm.

Das bedeutet:

  • Dispokredite (wie viel ist aktuell genutzt?)
  • Ratenkäufe und Konsumkredite
  • Autokredite
  • Noch laufende Immobilienkredite (Restschuld)
  • Schulden bei Familie oder Freunden (ja, auch die zählen)

Für jede Schuld notierst du vier Dinge:

1. Den aktuellen Restbetrag: Wie viel schuldest du noch?
2. Den Zinssatz: Was kostet dich diese Schuld pro Jahr?
3. Die monatliche Tilgungsrate: Wie viel zahlst du zurück?
4. Die voraussichtliche Restlaufzeit: Wann bist du fertig, wenn du so weitermachst wie bisher?

Diese Übersicht ist manchmal unangenehm. Aber sie ist auch unglaublich befreiend. Denn plötzlich hast du keine diffuse Schuldenwolke mehr über dir, sondern hast konkrete Zahlen. Und mit konkreten Zahlen kann man arbeiten.

Schritt 2: Strategie –> Höchster Zins zuerst

Wenn du weißt, was du wo schuldest und was es kostet, kommt die Strategie.

Meine klare Empfehlung: Zuerst die Schuld mit dem höchsten Zinssatz tilgen. Das ist mathematisch die effizienteste Methode, auch bekannt als die Lawinenmethode. Du zahlst bei allen Schulden die Mindestrate weiter, aber jeder zusätzliche Euro den du aufbringen kannst, geht auf die teuerste Schuld. Ist die weg, nimmst du das frei gewordene Geld und wirfst es auf die Nächste. Und so weiter.

Warum der höchste Zins zuerst? Weil Zinsen auf Zinsen wachsen. Der Dispo kostet dich oft 10–15% im Jahr. Das klingt abstrakt, bis du mal ausrechnest, was dich 1.000 Euro Dispo über drei Jahre wirklich kosten. Spoiler: Deutlich mehr als 1.000 Euro.

Die Schneeball-Strategie beim Schuldenabbau bedeutet, dass du deine Schulden nach Höhe sortierst und mit der kleinsten beginnst: Du zahlst auf alle anderen nur die Mindestbeträge und steckst alles zusätzliche Geld in die kleinste Schuld, bis sie weg ist. Danach nimmst du den frei gewordenen Betrag und gehst damit die nächste Schuld an. So wächst dein „Schneeball“ immer weiter. Der große Vorteil: Du siehst schnell Erfolge und bleibst motiviert.

Im Vergleich dazu funktioniert die Lawinenmethode rein mathematisch effizienter: Durch das Tilgen der Schuld mit dem teuersten Zins sparst dadurch insgesamt mehr Geld. Klingt logisch – ist es auch. Es fühlt sich nur oft langsamer an, weil die ersten Erfolge länger auf sich warten lassen, wenn die teuerste Schuld nicht die kleinste Gesamtsumme hat. Die Schneeball-Strategie punktet mit Motivation und Momentum, die Lawinenstrategie mit Fakten und Zahlen. Am Ende gilt aber: Die beste Methode ist nicht die theoretisch perfekte, sondern die, die du konsequent durchziehst. Ohne das TUN geht es nicht, denn nur so wirst du deine Schulden wirklich los. Trotzdem würde ich dir immer zur Lawinenmethode raten.

Übrigens: Schulden bei Freunden oder Familie haben meist keinen Zinssatz, aber sie haben einen sozialen Preis. Den solltest du nicht unterschätzen. Auch wenn sie zinslos sind, ist es gut einen klaren Plan zu haben wann du sie zurückzahlst. Diesen Plan solltest du auch offen kommunizieren und wirklich einhalten. Deine Mitmenschen vertrauen dir. Zeig ihnen, dass du sie nicht enttäuschen wirst.

Was, wenn es sich überwältigend anfühlt?

Dann ist das ein Zeichen, dass du nicht allein damit sein solltest und kein Zeichen, dass es hoffnungslos ist.

Wenn deine Schulden sich so anfühlen, als würdest du nicht mehr durchblicken oder könntest es nicht schaffen das jemals zurück zu zahlen, hol dir Hilfe. In Deutschland gibt es kostenlose Schuldnerberatung, zum Beispiel bei der Caritas, der Diakonie oder den kommunalen Beratungsstellen. Die sind nicht dazu da, dich zu verurteilen. Die sind dazu da, dir zu helfen, wieder handlungsfähig zu werden.

Kopf in den Sand stecken ist keine Strategie. Hilfe holen schon. Natürlich ist es immer einfacher und stressfreier, sich selbst zu helfen. Wenn das aber nicht (mehr) möglich ist, ist es überhaupt nicht schlimm auch von Extern Hilfe anzunehmen. Wenn es nicht gleich die Schuldnerberatung sein soll: Es gibt auch Facebook-Gruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Das ist vielleicht erstmal etwas niederschwelliger und du könntest Gleichgesinnte finden, die mit dir gemeinsam Schulden abbauen möchten.

Gute Schulden: Einfach ignorieren?

Nicht ganz. Auch Immobilien- und Bildungskredite gehören in deine Übersicht aus Schritt 1. Schon allein, weil sie Teil deines Nettovermögens sind, wie wir in Teil 1 besprochen haben. Aber du musst sie nicht mit derselben Dringlichkeit tilgen wie deinen Dispo. Solange die Investition sinnvoll und korrekt berechnet wurde und die Schuld langfristig Sinn ergibt, ist das in Ordnung.

Der Unterschied: Ein Immobilienkredit ist (hoffentlich) eine Investition mit einem Plan. Ein genutzter Dispo ist meistens eine Angewohnheit ohne einen Plan oder eine Notlage, die es zukünftig zu vermeiden gilt.

Dein Jetzt-Schritt

Setz dich heute hin und schreib alle deine Schulden auf. Alle. Restbetrag, Zinssatz, monatliche Rate, Restlaufzeit.

Dann schau, welche Schuld dich am meisten Zinsen kostet (prozentual) und überleg, ob du auch nur einen kleinen Betrag zusätzlich dorthin schieben kannst.

Du musst das nicht in einem Monat lösen. Aber du kannst heute anfangen, es kleiner werden zu lassen.

Und wenn du dabei Hilfe brauchst oder einfach jemanden zum Austauschen: Schreib mir gerne oder melde dich für meinen Newsletter an. Du bist damit nicht allein, und manchmal reicht schon ein Gespräch, um wieder Klarheit zu kriegen. Vergiss auf nicht: Du darfst die Kette sprengen und wieder Licht sehen.


Hinweis: Alles, was ich in dieser Blogserie teile, basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und meinem selbst angeeigneten Wissen. Ich bin keine Finanzberaterin und gebe keine Anlageempfehlungen. Jede finanzielle Entscheidung liegt in deiner eigenen Verantwortung. Im Zweifel hol dir professionelle Beratung.

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